Warum das Friseurhandwerk gesundheitsschädigend sein kann

Waschen, Schneiden, Fönen. Vielleicht auch ein wenig die Farbe auffrischen. Was für den Kunden zum Schönheitsprogramm gehört, bedeutet für Friseure harte Arbeit.

Es sieht immer so einfach aus. Friseure sind ständig in Bewegung, hantieren mit Bürste, Schere und Farbpinsel. Waschen und Föhnen gehört zum Tagesablauf. Wer jedoch den Haarkünstlern etwas genauer bei der Arbeit zusieht wird bemerken, wie häufig Friseure und Friseurinnen ihre Tätigkeiten in gebückter Haltung, dazu mit dauerhaftem Anheben der Arme, ausüben müssen. Wer sich stundenlang in solch berufsbedingter Haltung bewegen muss, wird irgendwann über Schmerzen im Rücken, den Schultern, Ellenbogen oder auch der Hände klagen. Darüber hinaus belastet mehrstündiges Stehen. In der Tat sind Friseure prozentual mehr von Schmerzen des Bewegungsapparates betroffen, als die sogenannten „Schreibtischtäter“. Vorbeugende Maßnahmen gegen langes Stehen sowie gegen die einseitige Körperhaltung beim Schneiden und Färben gibt es kaum. Auch ein flexibler Rollhocker, auf dem Friseure zwar bequem sitzen können, bringt nicht die erhoffte Linderung. Denn auch aus dieser Position müssen die Arme über einen längeren Zeit angehoben werden, teilweise sogar über Schulterhöhe hinaus. Muskelkater, Verspannungen, Schmerzen bis hin zu degenerativen Veränderungen sind häufig die Folge.

Friseurhandwerk – seit eh und je ein beliebter Ausbildungsberuf

Als Friseur tätig zu sein, hat für viele, besonders junge Menschen, einen besonderen Reiz. Viel mit Menschen zu tun zu haben, modisch aktuell sowie kreativ zu sein macht diesen Ausbildungsberuf so attraktiv. Denn viele Männer, Frauen und Kinder lassen ihre Haare beim Friseur schneiden und stylen. Die Ausbildung dauert 3 Jahre und dabei wird mehr als nur das richtige Waschen und Föhnen erlernt. Die angehenden Friseurgesellen kommen bereits während dieser Zeit mit den negativen Seiten des Berufes in Berührung. Denn außer Waschen, Schneiden, Legen gehören neben Chemikalien beim Farben mixen und Dauerwellen anrühren auch Staub, Dämpfe sowie Haarsprays-Nebel zum Berufsalltag. Reaktionen sind häufig Allergien, Entzündungen sowie juckende Ekzeme bis hin zu Atemnot, asthmatischen Erscheinungen, Schleimhautreizungen oder Kopfschmerzen. Immer wieder müssen Ausbildungen deshalb abgebrochen werden. Auch viele „gestandene“ Friseure erleiden im Laufe der Zeit erhebliche körperliche Beeinträchtigungen, die sie dazu zwingen, ihren Beruf vorzeitig aufzugeben. Betroffene sollten in solchen Fällen unbedingt prüfen lassen, ob die Beschwerden bzw. Beeinträchtigungen als Berufskrankheit anerkannt werden können. Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation wird vorsichtig angedeutet. dass Friseure darüber hinaus möglicherweise einem erhöhten Krebsrisiko ausgesetzt sind, da sie häufig mit Stoffen in Berührung kommen, die krebserregende Substanzen enthalten können.

Gesundheitliche Beeinträchtigungen vermeiden – was können Friseure dafür tun?

Gegen einseitige Bewegungsabläufe sowie langes Stehen soll ein flexibler Rollhocker vorbeugen. Allerdings hat sich bei dessen Gebrauch gezeigt, dass dies zwar eine der Maßnahmen gegen langes Stehen ist und zwischenzeitliches Sitzen eine Entlastung bringt, jedoch die Arme der Friseure beim Waschen und Föhnen oder Schneiden und Legen oft für einen längeren Zeitraum über Schulterhöhe angehoben werden. Hier ist es ratsam, zwischendurch für kleine Pausen mit kurzen Entspannungs- bzw. Lockerungsübungen zu sorgen. Jedoch lässt sich dies in der Praxis nicht immer durchführen. Zur Vorbeugung gegen Hautallergien, Haut- und Atemwegserkrankungen gelten Regeln, Anweisungen sowie Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit chemischen Stoffen sowie die ständige Berührung mit Wasser. So sind die Hände unbedingt mit einer Schutzcreme sowie mit Handschuhen zu schützen. Einmalhandschuhe sind nur für den einmaligen Gebrauch bestimmt. Mehrweghandschuhe müssen öfter gewechselt werden, da sie durch die Berührung mit Chemikalien porös und durchlässig werden können. Trotz Schutz der Hände durch Handschuhe sind sie durch Feuchtwerden bzw. Schwitzen belastet. Die Haut kann aufweichen und einreißen. Meist bestehen die Handschuhe aus Latex, doch auch dieses Material kann zu Allergien führen. Gegen Atemwegserkrankungen sollte unbedingt darauf geachtet werden, austretende Dämpfe sowie den Sprühnebel verschiedener Sprays nicht einzuatmen. Die Verantwortung zur Vorbeugung körperlicher Beeinträchtigungen liegt nicht allein beim Friseurgesellen, sondern vor allen Dingen beim Friseurbetrieb. Er muss die Einhaltung des Arbeitsschutzes im Friseurhandwerk gewährleisten. Wer Fragen oder Klärungsbedarf hat, sollte sich nicht scheuen, diesbezüglich nachzuhaken bzw. sich umfassend über Arbeitsschutz im Friseurhandwerk informieren.


 

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