Wenn ein Kind anders als die anderen ist

Wenn ein Kind anders als die anderen ist

Wenn ein Kind anders als die anderen Kinder ist, wird es oft als verhaltensauffällig oder verhaltensgestört bezeichnet. Ist jedoch jedes „Anders Sein“ als andere Kinder gleichen Alters gleich eine Auffälligkeit?

Kinder sind ebenso wie Erwachsene Individuen mit eigenen Charaktereigenschaften, Temperament und Verhaltensweisen. Die Zeit des Heranwachsens ist von zahlreichen Lernprozessen geprägt. So sehr jeder Mensch in seinem Wesen einzigartig ist, so ist es zunächst unbedenklich, wenn wenn ein Kind anders als die anderen Kinder ist. Der sogenannte „Ernst des Lebens“ beginnt nicht erst in der Schule, sondern für viele Kinder bereits im Kindergarten. Neben allen Prozessen, die für die geistige Bildung sowie dem Auf- und Ausbau des Wissens im Allgemeinen erforderlich sind, müssen die Kleinen lernen, sich im Umgang mit anderen Kindern sozial zu verhalten. Die Aufgabe der Eltern, Erziehungsberechtigten, Lehrern sowie anderen autorisierten Personen ist hierbei, den Kindern Freiräume und Entwicklungsmöglichkeiten, aber auch Grenzen von bestimmten Verhaltensweisen aufzuzeigen. Die Zeit des Heranwachsens ist ebenso geprägt für die Entwicklung der Persönlichkeit. Zeigen sich im Laufe auffällige Verhaltensweisen, sollten nicht ignoriert, verharmlost, geduldet oder belächelt, sondern stets hinterfragt und geklärt werden.



Wenn ein Kind anders als ist – mögliche Ursachen

Jedes Kind durchläuft in seinem eigenen Tempo Entwicklungsstadien, was zunächst kein Grund zur Besorgnis ist. Unterschiedliche Wesens- und Charaktereigenschaften, ob eher ruhig und zurückhaltend oder laut, zappelig und unruhig, auch nicht. Erst, wenn das eine oder andere ins Extrem fällt, sollten Eltern und Erziehungsberechtigte genauer hinschauen und nach möglichen Ursachen suchen. Wenn ein Kind anders als die anderen ist, liegt eine Verhaltensauffälligkeit oft nicht ausschließlich im Kind selbst begründet. Ein liebloses Elternhaus, mangelnde Anerkennung, Beziehungsprobleme und Streit in der Familie, eine zu hohe Erwartungshaltung sowie übermäßige Härte und Unnachgiebigkeit der Eltern lösen häufig Ängste und aggressives Verhalten bei den Kindern aus.

Gesamtes Umfeld betrachten, wenn ein Kind anders als andere Kinder ist

Doch auch Faktoren wie Erbanlagen, Geburtsschäden, Behinderungen, Hyperaktivität sowie Überempfindlichkeit können Gründe für auffälliges Verhalten sein. In jedem Falle muss ein kindliches auffälliges Verhalten immer im Gesamtkontex betrachtet werden, d. h., es ist nie das Kind allein „schuld“ und verantwortlich für sein Verhalten, sondern sämtliche begleitenden Umstände, in denen es lebt und von denen es umgeben ist. Dazu gehören beispielsweise:

  • Trennung der Eltern
  • Sucht oder Gewalt im Elternhaus
  • häufiger Wechsel des Wohnortes und damit verbunden häufiger Schulwechsel
  • Geburt eines Geschwisterkindes
  • Krankheit in der Familie

Woran erkennt man, wenn ein Kind anders ist und sich auffällig verhält?

Die Merkmale für Auffälligkeiten, wenn ein Kind anders ist, sind äußerst vielschichtig. Sehr oft sind bei Kindern und Jugendlichen sogenannte selbstschädigende Verhaltensweisen zu beobachten. Dazu zählen

  • Nägelkauen
  • Haare ausreißen
  • Intensives Daumenlutschen
  • Zufügen von Schnittwunden oder anderen Verletzungen
  • Essstörungen wie Magersucht, Bullemie oder unkontrollierte Fresssucht
  • Alkohol und Drogenmissbrauch

Verhält sich ein Kind besonders ängstlich, sehr schüchtern und zurückhaltend sowie unsicher, wird dies dagegen oft eher als wesensbedingt wahrgenommen. Doch auch hier gilt, genau hinzuschauen, ob eventuell Ängste, Depressionen, traumatische Erlebnisse oder subjektiv empfundene Zurückweisung das auffällige Verhalten auslösen. Ebenso bei ausgeprägtem Trotzverhalten, Lügen sowie starker Abwehr. Unschwer sind Auffälligkeiten zu erkennen, die mit der Schädigung anderer Menschen, wie z. B. Körperverletzung sowie der Zerstörung von Gegenständen, Brandstiftung, Vandalismus oder Diebstahl einhergehen.

Erzieherische Maßnahmen oder was kann man bei auffälligem Verhalten tun?

Allgemeine Regeln, ohne das Funktionieren einer Gesellschaft nicht auskommt, gelten auch in der Familie. Kinder sollten daher die Grenzen ihres Verhaltens kennen. Was darf und was darf nicht. Eltern sollten daher immer das Gespräch mit ihrem Kind suchen, dabei akzeptierbare Regeln für das Verhalten aufstellen, Erwartungen formulieren und natürlich selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Kinder orientieren sich oft am Verhalten der Eltern sowie der Erwachsenen und ahmen es nach. Macht das Kind Fortschritte, wirken Lob und Anerkennung motivierend. Doch was tun, wenn alles gute Zureden nicht hilft bzw. Eltern einfach überfordert sind, das auffällige Verhalten ihres Kindes in eine andere Richtung zu lenken?

Wenn ein Kind anders – notfalls fachmännische Hilfe suchen

Hier sollten sich die Beteiligten nicht scheuen, die fachmännische Hilfe einer Familien- oder Erziehungsberatungsstelle in Anspruch zu nehmen. Gespräche und hilfreiche Ratschläge führen bereits häufig zu Verbesserungen, sodass der familiäre Tagesablauf eine Entspannung erfährt. Ist jedoch der Zugang zum Kind blockiert, kann eine Musiktherapie hilfreich sein. Musik erreicht viele Bewusstseinsebenen, sodass sich hier die Möglichkeit bietet, im eher spielerischen miteinander singen und musizieren auffällige Verhaltensmuster zu verbessern oder gar aufzulösen. Manchmal führt jedoch erst eine Familientherapie oder eine therapeutische Behandlung des Kindes zu den gewünschten Veränderungen.

Foto: tolmacho, pixabay